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11.12.2008

Jüdisches Leben in Deutschland

Zu diesem Thema erarbeiteten die Schüler der Europaschule Deutsch-Polnisches Gymnasium Löcknitz in den letzten Wochen Präsentationen und Beiträge zur Gedenkfeier des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht.
Den ersten Höhepunkt bildete der Besuch des Jüdischen Museums "ontour". In Workshops wurden den Schülern der 10. Klassen Biographien jüdischer Menschen, die nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland gelebt haben, nahe gebracht. Auf iPods hörten die Schüler, wie zum Beispiel Tsafrir Cohen aus seinem Leben erzählte: dass er in Israel aufgewachsen ist und seit 1986 in Deutschland als Journalist arbeitet. Er fühlt sich in Berlin sehr wohl. Anders erging es Zwi Wasserstein, der 1955 in Deutschland geboren wurde, aber sich hier nie willkommen gefühlt hat.Deshalb arbeitet er jetzt als Pflichtverteidiger für Bedürftige in New York. Für die Schüler zeigten diese sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten die jüdischen Mitbürger als Menschen mit ihrer eigenen Geschichte, die ganz aus dem Leben gegriffen ist und nicht nur "trockenen Geschichtsstoff"  beinhaltet.
Einen Einblick in das jüdische Alltagsleben zeigte die Ausstellung, die den ganzen Tag für alle zugänglich war. In einem leergeräumten Klassenzimmer befanden sich fünf große Würfel, die zunächst als Sitzgelegenheiten dienten. Die Betreuer des Jüdischen Museums, Alexander Green, Tatjana Glampke, Josephin Meistring, Julia Heisig und Ulrike Granitzki forderten die Jugendlichen auf, sich für ein Thema zu entscheiden und den entsprechenden Würfel zu untersuchen. In die Seitenteile waren Schaukästen eingebaut, in denen Ausstellungsstücke wie eine Kippa (jüdische Kopfbedeckung: für Jungen sogar mit Spidermanaufdruck), ein Sederteller, Nivea, Levi´s Jeans, ein Modell des Jüdischen Museums und anderes zu sehen waren. Um heraus zu finden, was es mit diesen Gegenständen auf sich hat, mussten die Schüler die Würfel ganz umkippen. Dazu sagte Jospha Braun, eine Schülerin aus der 9. Klasse: "Ich erfuhr zum Beispiel, dass die berühmten Levi´s Hosen von Levi Strauß, einem jüdischen Stoffhändler, erfunden wurden. Neu war mir auch, dass es Gummibärchen gibt, die extra für Juden sind. Diese Gummibärchen werden mit Fischgelatine und nicht mit Schweinegelatine hergestellt. Gut fand ich, dass in diesen zwei Stunden die Vertreibung der Juden nicht zu den Schwerpunktthemen gehörte. So haben wir viele neue Dinge erfahren, die man ohne diesen Projekttag nicht erfahren hätte. Bei meinem nächsten Berlinbesuch habe ich gleich die Gelegenheit genutzt und das Jüdische Museum besucht."
Im Anschluss an dieses Projekt erarbeiteten sich die Schüler an Hand von Zeitungsberichten, Namenslisten aus Yad vaShem und Aufzeichnungen Löcknitzer Bürger eine Vorstellung des jüdischen Lebens in Löcknitz. Bei der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht lasen sie Gedichte von Erich Fried und Kalman Lis und die Namen der von den Nazis ermordeten Juden vor, wie schon berichtet wurde. Besonders hat die Schüler das Schicksal der Familie Schwarz-Weiß berührt, da diese Familie schon sehr lange in Löcknitz gelebt hatte und dann fast komplett umgebracht wurde. Alle waren sich einig, dass so etwas nie wieder vorkommen darf.
 
Auf dem einen Foto sieht man, wie Sakura Yagami aus der Klasse 8a einen der Würfel betrachtet.
   

 
 
 
Das zweite Foto zeigt einen Sederteller, der bei der Feier des Pesachfestes verwendet wird.