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01.02.2015

Informationsveranstaltung zum Thema "Cybermobbing"

Am letzten Dienstag wurde im Deutsch-Polnischen Gymnsium ein besonderer Elternabend durchgeführt. Auf Einladung des Sozialkundelehrers wurde zusammen mit dem Präventionsbeauftragten der Greifswalder Polizei ein Webinar durchgeführt. Ein Internet-gestütztes Seminar zum Thema „Cybermobbing“.

 

„Sprechen wir nicht über die „Gefahren“, eher die „Probleme“ des Internets“ lenkt Mario Tschirn von der Greifswalder Polizei meine Formulierung. „Sonst rühren die Zuhörer das Internet hinterher gar nicht mehr an. Und darum geht es ja gar nicht.“

Zur Elternversammlung im Deutsch-Polnischen Gymnasium in Löcknitz sind an diesem Dienstagabend etwas über zwanzig Eltern gekommen, nicht so viel wie erhofft. Es geht um Cybermobbing.

Über das Internet ist Gesa Stückmann zugeschaltet. In einem Web-Seminar will die Rostocker Rechtsanwältin die Zuhörer aufklären über das Cybermobbing – und wie man damit umgehen kann.

„Mobbing hat es in irgendeiner Form immer gegeben“, informiert die Rechtsanwältin. „Aber Cybermobbing hat eine neue Qualität, es macht alles viel schlimmer.“ Sie zeigt deutlich, dass – einmal ins Internet gestellt – die Anwürfe und Beleidigungen in Windeseile großen, fast unbegrenzten Publikum zugänglich gemacht werden können. Allein schon mit dem Handy – bei praktisch allen Jugendlichen verbreitet – gebe es endlose Möglichkeiten über die sozialen Netzwerke wie facebook, youtube, instagram oder über SMS, skype usw, über Mitmenschen herzuziehen, die zum Ziel der Verächtlichmachung würden. Typisch beim Cybermobbing sei: ohne den direkten Kontakt mit dem Opfer trauten sich die Täter mehr, ihre Schamgrenze verschwinde und sie genössen ein besonderes Machtgefühl.

Gesa Stückmann führt praktische Fälle an: Von erotischen Videos junger Mädchen – als Liebesbrief gemeint - die vom Empfänger schamlos ins Netz gestellt würden. Oder von jugendlichen Sportlern, die gemeinsam aus Missgunst über zwei besonders leistungsstarke Mitstreiter herziehen. Oder vom jugendlichen Homosexuellen, der sich verliebt, den anderen über Internet anspricht und der dann von ihm im Netz als „schwul“ geoutet wird.

Aber – so führt die Rechtsanwältin an – man könne sich wehren als Betroffener: Besonders wichtig sei die Sicherung von Beweisen, vor allem über Sreen-Shots, Bildschirmfotos. Sie sind für jeden vom Computer genauso möglich wie vom Handy. Man muss nur wissen, wie. Wesentlich sei auch, den Provider, also facebook, t-online oder youtube, zum Löschen der Daten aufzufordern. Das sei in der Regel wenig problematisch und schnell machbar. Dann kommt ihre fachliche Rolle als Rechtsanwältin zum Tragen: Jetzt müsse es eine Abmahnung durch den Rechtsanwalt geben. Sie richte sich an die Täter bzw. ihre Eltern. Dabei gehe es um die Rechtsverletzungen und auch Straftaten in diesem Zusammenhang: Beleidigung, Nötigung usw. Dazu sei eine Unterlassungserklärung sinnvoll mit einer möglichen Strafe von 10.000 Euro, die nur zur Abschreckung gedacht sind.

So informiert die Rostocker Spezialistin die Eltern in Löcknitz über anderthalb Stunden über diese aktuelle Problematik. Für die polnischen Eltern übersetzt Hanna Pilarski aus der 11. Klasse die Ausführungen von Gesa Stückmann. Die Zuhörer sind am Ende der Veranstaltung sehr beeindruckt. Viele hätten sich das Problem so schlimm nicht vorgestellt. Gleichzeitig sind sie erleichtert durch die Erkenntnis: Man kann sich wehren, man kann etwas tun dagegen. Wenn es rechtzeitig passiert.

Nun sprechen mich verschiedene Eltern an: Das müssen auch die Jugendlichen, die Schüler selbst hören und sehen. Sie müssen wissen, in welche Gefahr sie sich begeben und was sie besser nicht machen bei den vielen verlockenden Angeboten der sozialen Netzwerke. Gerne nehme ich die Anregungen an und überlege, wie ich das in der Schule umsetzen kann.